14 alltagstaugliche Tipps um dein Selbstbewusstsein grundlegend zu stärken (inkl. Downloads)

Vielleicht erwischst du dich manchmal dabei, wie du deine Kollegin still bewunderst, wenn sie deinem Chef ruhig und klar sagt, dass sie diese Aufgabe nicht auch noch übernehmen kann. Ohne Drama, ohne schlechtes Gewissen. Oder du beneidest deine Freundin, die in ihrer Familie problemlos durchgesetzt hat, dass die Teenagerkinder für ihre schmutzige Wäsche selber verantwortlich sind. Wenn du hingegen nur schon daran denkst, deiner Mutter mitzuteilen, dass du diese Weihnachten nicht die ganze Verwandtschaft bei dir haben möchtest, spürst du einen Klumpen in der Magengegend. Eine innere Stimme meldet sich, leise aber hartnäckig: «Du bist egoistisch und nicht belastbar!» Und während diese Stimme spricht, breitet sich ein vertrautes schlechtes Gewissen in dir aus.

Sind manche Menschen einfach mit einem starken Selbstbewusstsein geboren – und andere dazu bestimmt, immer zurückzustehen? Oder können wir unser Selbstbewusstsein bewusst stärken, also Schritt für Schritt aufbauen? Genau diesen Fragen möchte ich in diesem Blogartikel mit dir nachgehen. Eines sei schon vorweggenommen: Die Chancen stehen gut! Vieles lässt sich lernen und entwickeln, behutsam und im eigenen Tempo.

Wie entsteht Selbstbewusstsein?

Zuerst möchte ich mit dir klären, ob unser Selbstwertgefühl – und damit auch unser Selbstbewusstsein – angeboren ist. Ein Teil davon ist tatsächlich angeboren, es gibt aber nicht ein sogenanntes Selbstwert-Gen (Quelle: Entwicklungspsychologe U. Roth in Fritz und Fränzi 01.12.2019).
Vielmehr sind es verschiedene menschliche Eigenschaften wie Aussehen, Intelligenz oder soziale Kompetenz, die einen Einfluss auf die Entwicklung unseres Selbstbewusstseins haben können.

Gleichzeitig entsteht ein grosser Teil unseres Selbstbewusstseins erst im Laufe des Heranwachsens. Dabei spielt unser Elternhaus, wie so oft, eine prägende Rolle. Wenn wir mit Bezugspersonen aufwachsen, die einfühlsam auf unsere Bedürfnisse reagieren und uns eine liebevolle, sichere Umgebung vermitteln, können wir beginnen, die Welt Schritt für Schritt zu erkunden. Mit dem sicheren Mama- oder Papa-Hafen im Blick, wagen wir uns immer weiter hinaus. Dabei erleben wir, dass wir etwas bewirken können – ein erster Zugang zu unserer Selbstwirksamkeit. Und wir feiern kleine Erfolge, die unseren Selbstwert stärken.

Das heisst, noch einmal auf den Punkt gebracht: Eine sichere Umgebung ermöglicht uns als Kind autonom zu werden und uns dabei selbstwirksam zu erleben. Können wir das zusammen mit unseren Bindungspersonen feiern, wird unser Selbstbewusstsein nachhaltig gestärkt.

Unsere Entwicklung hängt jedoch nicht allein vom Elternhaus ab. Auch die Erfahrungen in der Schule, im Freundeskreis, im Arbeitsumfeld und im weiteren sozialen Umfeld hinterlassen Spuren.

Selbstbewusstsein stärken: 14 Tipps für den Alltag

Nimm bitte folgende Tipps zur Stärkung des Selbstbewusstseins als Inspirationen und Hilfsmittel, um neugierig zu erforschen, was dir dienlich ist. Experimentiere gerne damit und passe Übungen auch so für dich an, dass sie stimmig sind. Es gibt keine Reihenfolge, einzig empfehle ich dir, mit dem ersten Punkt zu starten. Danach bist du frei. Viel Freude beim Erforschen und Ausprobieren!

Würdige, wo du stehst

Vielleicht hast du im Text oben gelesen, wie ein starkes Selbstbewusstsein entsteht. Wenn dich Selbstzweifel plagen oder du dich nicht traust, deine Meinung zu sagen, lies gerne im Abschnitt Warum habe ich ein schwaches Selbstbewusstsein? weiter, weshalb dem so ist – denn du hast gute Gründe dafür!

Bevor du dich irgendeiner Transformationsarbeit zuwendest, lade ich dich ein, mit einem warmen Herzen anzuerkennen, von wo du startest. Wieso ist das so wichtig? Oftmals sind wir unsere strengsten Kritiker:innen. Bildlich gesprochen, hauen wir uns noch eins über die Rübe, wenn wir unseren Erwartungen nicht entsprechen. Wir wollen schon längst an einem anderen Ort sein, als wir wirklich sind. Mit diesem Verhalten wiederholen wir leider das Drama unserer Kindheit: Wir begegnen uns selbst nicht einfühlsam und liebevoll, so wie wir es damals von unserem Umfeld gebraucht hätten. Ich ermuntere dich, dich nun willentlich für ein neues Verhalten gegenüber dir selber zu entscheiden. Wenn du beginnst mehr Verständnis für dich selber zu entwickeln, ist das ein ganz grosser Schritt auf deinem Weg zu mehr innerer Ruhe und Sicherheit!

Tipp: Dabei können dir folgende Fragen dienlich sein:

  • Konnten meine Eltern einfühlsam auf meine Bedürfnisse eingehen? Hatten meine Bedürfnisse überhaupt Platz? Wie haben sie reagiert, wenn ich nicht ihren Wünschen/Erwartungen entsprach?

  • Was für Überlebensstrategien habe ich entwickelt? Habe ich mich angepasst, ging ich meinen eigenen Weg oder wurde ich rebellisch?

  • Vor was haben mich diese Überlebensstrategien geschützt? Wozu waren sie damals dienlich?

Lerne deine Bedürfnisse/ Werte kennen

Es ist äusserst dienlich, dir deiner Bedürfnisse/Werte im Leben bewusst zu sein, denn sie helfen dir als innerer Kompass und als Alarmsystem, wenn du sie verrätst! Wenn du deine eigenen Bedürfnisse/Werte erkundest, darfst du dies gerne mit einem neugierigen Forschergeist über einen längeren Zeitraum tun.

Tipp: Vielleicht erstellst du dir eine Liste, bildest Cluster von ähnlichen Bedürfnissen oder du setzt Prioritäten. Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass gewisse Bedürfnisse sich im Laufe des Lebens verändern und gewisse Kernbedürfnisse/ Werte ein Leben lang Bestand haben. Zur Inspiration kannst du dir eine Liste mit Bedürfnissen/ Werten herunterladen, um deinen eigenen Kernbedürfnissen/ Werten auf die Spur zu kommen.

Sieh deine Bedürfnisse als Kompass

Wenn du dir deiner Bedürfnisse und Werte bewusst wirst, geben sie dir Klarheit, was dir wichtig ist und wofür es sich lohnt, Grenzen zu ziehen oder einzustehen.

Tipp: Ich lade dich ein, dazu einen Moment innezuhalten und dir folgende Fragen zu stellen. Vielleicht möchtest du deine Gedanken und Erkenntnisse schriftlich festhalten?

  • Welche Werte sind bereits feste und gelebte Bestandteile deines Lebens?

  • Für welche deiner Bedürfnisse oder Werte fällt es dir noch schwer einzustehen. In welchen Situationen stellst du sie deshalb hintenan?

  • Welchem dieser Werte oder Bedürfnisse, für die du bisher noch nicht eingestanden bist, möchtest du mehr Raum in deinem Leben geben?

  • Welchen ersten, kleinen Schritt könntest du tun, um diesem Wert/Bedürfnis künftig mehr Platz in deinem Leben zu geben?

Als Unterstützung für diese Aufgabe findest du hier eine Bedürfnisliste.

Finde kleine Augenblicke, wo du erfolgreich warst

In welchen Situationen in deiner Vergangenheit ist es dir bereits gelungen, dich selbstbewusst zu zeigen? Oft sind das kleine Momente, die leicht übersehen werden. Hier ein paar Inspirationen:

  • Der Gastgeber möchte dir zum zweiten Mal Wein nachschenken, und du lehnst freundlich ab – auch wenn alle anderen noch einmal zugreifen.

  • Auf eine Anfrage erwiderst du: »Ich brauche eine kurze Bedenkzeit.»

  • Du sagst bei einer zusätzlichen Aufgabe: »Diese Woche ist mein Pensum bereits voll.»

  • Du bemerkst im Teammeeting: »Ich sehe das etwas anders», auch wenn dein Herz dabei schneller schlägt.

  • Du äusserst einen Wunsch, auch wenn nicht klar ist, ob er erfüllt werden kann.

  • Du schlägst in deiner Familie eine Lösung vor, die auch deine Bedürfnisse berücksichtigt.

Tipp: Wenn du magst, nimm dir einen Moment und spüre nach:

  • Was hat dir in Situationen geholfen, dich selbstbewusst zu zeigen?

  • Und welchen nächsten, kleinen Schritt könntest du gehen, dass es künftig mehr solcher Momente in deinem Leben gibt?

Erkenne, dass du wertvoll bist, jenseits deiner Leistung

Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und dir folgende Tatsache bewusst machen: Du hast einen inneren Wert, der unantastbar ist. Er besteht unabhängig von dem, was du leistest oder tust. Du musst dir Liebe und Anerkennung nicht verdienen. Du bist wertvoll, einfach weil es dich gibt. Falls dir das schwerfällt zu glauben, kann ein Blick auf ein neugeborenes Baby helfen. Wenn die Umstände stimmig sind, berührt uns seine Ankunft zutiefst und erfüllt uns mit Freude – nicht wegen etwas, das es bereits kann oder geleistet hat, sondern allein, weil es da ist.

Tipp: Frage dich:

  • Wie fühlt es sich an, wenn du dich dieser Wahrheit öffnest?

  • Vielleicht empfindest du Schmerz, weil du in der Vergangenheit etwas anderes gelernt hast? Dann lade ich dich ein, ruhig weiter zu atmen und diesen Schmerz einen Augenblick zu würdigen.

  • Vielleicht empfindest du Freude, Erleichterung oder ein anderes wohltuendes Gefühl? Dann lade ich dich ein, in deinem Körper nachzuspüren, wie sich das anfühlt.

  • Was würde sich in deinem Leben verändern, wenn du die Wahrheit von »Ich bin wertvoll, ohne etwas leisten zu müssen» tief in dir verinnerlichen würdest?

Spüre Glaubenssätze auf und transformiere sie

Glaubenssätze sind innere Überzeugungen, die wir im Laufe unseres Lebens entwickeln. Vielleicht beschreibt es der Begriff Glaubenssysteme sogar noch besser, denn mit einer Überzeugung sind auch Gefühle, Körperempfindungen und bestimmte Verhaltensweisen verbunden. Um es hier etwas einfacher zu halten, richten wir den Blick zunächst vor allem auf die Überzeugungen selbst – also auf unsere Denkweisen. Viele dieser Überzeugungen wirken im Alltag ganz automatisch, solange wir sie nicht bewusst hinterfragen. Sie beeinflussen zum Beispiel, wie selbstbewusst du auftrittst, wie du Entscheidungen triffst oder wie streng du mit dir selbst umgehst.

Typische Glaubenssätze sind zum Beispiel:

  • Ich bin nicht gut genug.

  • Ich schaffe das nicht.

  • Ich muss funktionieren.

  • Ich bin nicht stark genug.

  • Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste.

  • Ich bin nicht liebenswert.

  • Ich passe nicht in diese Welt.

Du erkennst einen Glaubenssatz oft weniger an seinen Worten als an seiner Wirkung. Wenn sich in einer Situation ein ungutes Gefühl in deinem Körper meldet, wenn du ein schlechtes Gewissen wahrnimmst oder ein inneres Kleinwerden verspürst, lohnt es sich hinzuhören. Welche innere Aussage läuft gerade mit? Was sagst du dir in diesem Moment über dich?

Der nächste Schritt besteht nicht darin, einen alten Glaubenssatz sofort durch sein Gegenteil zu ersetzen. Solche Sätze bleiben oft reine Kopfgeburten – sie klingen gut, fühlen sich innerlich jedoch nicht stimmig an. Eine nachhaltige Veränderung beginnt dort, wo sich ein neuer Gedanke machbar und wahr anfühlt.

Tipp:

  1. Formuliere den alten Glaubenssatz möglichst klar (z.B. »Ich bin nicht gut genug»).

  2. Frage dich dann: Welcher Gedanke wäre im Moment ein kleines Stück freundlicher und glaubwürdiger für mich?

  3. Formuliere daraus einen neuen, stimmigen Satz, zum Beispiel: statt »Ich bin nicht gut genug»: »Ich öffne mich der Idee, dass ich gut genug bin – von Geburt an.»
    oder anstatt »Ich schaffe das nicht»: »Ich beginne zu verstehen, dass 80 % meiner Leistung vollkommen ausreichen.»

  4. Achte dabei bewusst auf deinen Körper:
    Fühlt sich der neue Satz etwas weiter, ruhiger oder weicher an?
    Kannst du dabei freier atmen?
    Dein Körper ist dabei ein verlässlicher Kompass. Er zeigt dir, welcher Gedanke dich stärkt und welcher noch zu viel ist.

Glaubenssätze zu transformieren bedeutet nicht, dich zu überfordern oder dich neu zu programmieren. Es heisst, dich Schritt für Schritt neu auszurichten – in einem Tempo, das du mitgehen kannst. Genau hier stärkst du dein Selbstbewusstsein: nicht aus Druck, sondern aus innerer Stimmigkeit.

Richte dich neu aus

Damit Veränderung möglich wird, braucht es zum einen die ehrliche Auseinandersetzung mit dir selbst – mit deiner Geschichte und mit dem, was dich geprägt hat. Gleichzeitig hilft es, eine innere Ahnung davon zu haben, wohin du dich entwickeln möchtest, sei es ein Bild oder ein Gefühl.

Dein Gehirn kann sich verändern und anpassen – ein Leben lang. Es besteht aus vielen Nervenzellen, die miteinander verbunden sind. Jedes Mal, wenn du etwas lernst, übst, denkst oder erlebst, werden manche dieser Verbindungen stärker, andere schwächer. So „baut sich“ das Gehirn ständig um, je nachdem, was du benutzt oder brauchst. Diese Fähigkeit nennt man in der Fachsprache Neuroplastizität.

Wenn du dir bewusst vorstellst, wie du dich in Zukunft verhalten möchtest, nutzt du die Neuroplastizität deines Gehirns. Allein durch diese Vorstellung werden ähnliche Bereiche im Gehirn aktiv wie beim tatsächlichen Handeln. Das bedeutet: Deine Nervenzellen beginnen bereits, neue Verbindungen zu knüpfen oder bestehende zu stärken. So werden die synaptischen Verbindungen gewissermaßen „vorgebahnt“. Wenn du später in der realen Situation bist, fällt dir das gewünschte Verhalten leichter, weil dein Gehirn diesen Weg schon kennt und vorbereitet hat.

Tipp: Das folgende PDF unterstützt dich dabei, diese Erkenntnisse praktisch umzusetzen und dich behutsam auf ein stärkeres Selbstbewusstsein auszurichten.

Verkörpere Sicherheit in dir

Wie du oben im Abschnitt Wie entsteht Selbstbewusstsein? lesen konntest, bildet das Erleben von Sicherheit in der Kindheit die Grundlage für ein starkes Selbstbewusstsein. Ist diese Sicherheit vorhanden, verkörpern wir sie, das heisst, wir fühlen uns in unserem Körper gut verankert und innerlich zu Hause. Dieses Gefühl erdet und zentriert uns und begleitet uns im Erwachsenenalter als innerer sicherer Hafen.

Fehlt diese verkörperte Erfahrung von Sicherheit in der Kindheit, neigen wir dazu, den Kontakt zu unserem Körper zu verlieren und damit auch unseren inneren Halt. Wir suchen dann die Sicherheit im Aussen: Mit all unseren Sinnen sind wir bei unserem Gegenüber und scannen fortlaufend, wie es unserem Vis-à-vis geht, um unser Verhalten anzupassen. Oder wir trennen uns von unseren Körperempfindungen, um uns vor Enttäuschungen zu schützen und weniger Schmerz zu spüren.

Tipp: Mit folgender Übung lernst du, innere Sicherheit in dir zu finden und zu festigen – eine zentrale Basis für ein starkes Selbstbewusstsein! PDF Körperressource verankern

Pflege wertvolle Beziehungen

Ein Blick in den Abschnitt Wie entsteht Selbstbewusstsein zeigt, dass Selbstbewusstsein sich vor allem in unseren frühen Beziehungen formt. Wenn du in deinen frühen Lebensjahren nicht das Glück hattest, in einer einfühlsamen und liebevollen Umgebung aufzuwachsen, hast du als erwachsene Person dennoch die Möglichkeit, dir ein solches nährendes Umfeld bewusst zu gestalten.

Tipp: Pflege achtsam Beziehungen zu Menschen, die dir guttun und dich stärken. Diese Personen zeichnen sich idealerweise durch folgende Eigenschaften aus:

  • Sie begegnen dir respektvoll.

  • Sie sind verlässlich und verbindlich.

  • Zwischen euch besteht eine gesunde Balance von Geben und Nehmen.

  • Sie zeigen Verständnis und Empathie.

  • Sie können sich selbst einbringen und gleichzeitig auf dich eingehen.

Wenn du dich mit Menschen umgibst, bei denen du dich sicher fühlst, kann das dein Selbstbewusstsein ganz natürlich stärken!

Erkenne deine Grenzen und beginne für sie einzustehen

Die eigenen Grenzen wahrzunehmen und für sie einzustehen, ist ein klares Zeichen für einen gesunden Selbstwert.

Tipp: Wenn du wissen möchtest, wie das geht, lies dazu den Artikel Grenzen setzen- ohne schlechtes Gewissen

Bleibe in deinem Erwachsenen-Ich

Vielleicht kommt dir diese Situation bekannt vor: Bei der Arbeit hast du einen Fehler gemacht und dein Chef macht dich darauf aufmerksam. In diesem Augenblick spürst du, wie du innerlich schrumpfst und zu einem kleinen Kind wirst. Diesen Vorgang nennt man in der Psychologie Altersregression. Das bedeutet, dass du den Kontakt zu deinem Erwachsenen-Ich verlierst und dich plötzlich in einem kindlichen Zustand befindest. In diesem Zustand hast du keinen Zugang zu deiner gesamten Lebenserfahrung und deinen Ressourcen. Vielleicht fühlst du dich blockiert, klein und beschämt.

Tipp: Kreiere einen einfachen Satz, der dich an dein biologisches Alter erinnert und sich stimmig anfühlt. Zum Beispiel:

  • Ich bin erwachsen.

  • Ich bin X Jahre alt und bin erwachsen.

  • Ich bin gross.

  • Ich bin gross und erwachsen.

  • Ich bin kompetent und erwachsen.

Du kannst die Sätze gerne für dich anpassen, so dass sie sich stimmig für dich anfühlen. Wenn du ihre Wirkung verstärken willst, sprichst du den Satz laut aus und klopfst dir dabei sanft auf dein Brustbein. (Echtzeitaltertraining nach Pep® von Dr. Michael Bohne, angepasst von Anke Nottelmann)

Wenn du in eine Situation kommst, in der du spürst, dass du innerlich kleiner wirst, sage dir diesen Satz leise für dich und verbinde dich bewusst mit deinem Erwachsenen-Ich. Du wirst erfahren, dass du diese Situation nun deutlich kraftvoller bewältigen kannst, da du Zugriff auf deine Ressourcen und deine gesamte Lebenserfahrung hast.

Wage etwas Kleines

Mit einem geringen Selbstbewusstsein ist es ganz normal, dass wir uns wenig zutrauen (mehr dazu findest du im Abschnitt Warum habe ich ein schwaches Selbstbewusstsein?). Die Angst, etwas falsch zu machen, rückt in den Vordergrund und hält uns davon ab, neue Schritte zu wagen. Wir beginnen zu vermeiden – und genau dadurch wird die Angst immer grösser. Dieser Kreislauf lässt sich jedoch durchbrechen, indem wir uns bewusst einer kleinen Herausforderung stellen und neue Erfahrungen sammeln.

Tipp: Wenn du magst, stelle dir folgende Fragen:

  • Welche kleine Herausforderung möchtest du dir in den nächsten Tagen stellen und sie umsetzen?

  • Welchen ersten kleinen Schritt zur Verwirklichung könntest du tun?
    Beginne ganz klein, zum Beispiel indem du:

    • einen neuen Weg zum Bahnhof nimmst.

    • in ein Geschäft gehst, das dir eigentlich zu teuer erscheint, und dich dort inspirieren lässt, ohne etwas zu kaufen.

    • jemanden ansiehst und anlächelst.

    • eine fremde Person freundlich grüsst.

    • ein Gespräch mit jemandem im Bus beginnst.

    • eine neue Lippenstiftfarbe ausprobierst.

Jeder noch so kleine Erfolg, den du erlebst, ist wie ein Baustein für ein neues, starkes Selbstvertrauen!

Pflege deine Ressourcen

Einfach gesagt, alles, was dir guttut, ist eine Ressource. Solche Ressourcen beruhigen dein Nervensystem und schenken dir inneres Gleichgewicht. Poetischer ausgedrückt: Sie sind wie Nahrung für deine Seele. Wenn du mit ihnen verbunden bist, fühlt sich dein Nervensystem ausgeglichen an und es fällt dir leichter, soziale Kontakte zu pflegen sowie deine Kreativität auszudrücken. Deshalb ist es von großer Bedeutung, deine Ressourcen bewusst zu pflegen.

Tipp: In diesem PDF entdeckst du die verschiedenen Arten von Ressourcen und hast gleichzeitig die Möglichkeit, deine eigenen ganz bewusst zu erkunden.

Lerne Komplimente anzunehmen!

Für viele von uns ist es gar nicht so leicht, ein Kompliment mit Freude und offenem Herzen anzunehmen. Auf Zusprüche wie »Dieser Mantel steht dir ausgezeichnet» reagieren wir gerne mit Sätzen wie »Den habe ich im Ausverkauf erstanden» oder „Der ist eigentlich schon ziemlich alt“. Ein einfaches »Danke» und ein Strahlen im Gesicht fallen uns überraschend schwer.

Wenn wir uns freuen, öffnet sich unser inneres System. Und Öffnung bedeutet gleichzeitig, weicher und damit ein Stück verletzlicher zu werden. Das Herunterspielen eines Kompliments kann deshalb ein Schutzmechanismus sein, ein Versuch, diese Verletzlichkeit nicht zu spüren.

Tipp: Wenn dir das nächste Mal jemand ein Kompliment macht, halte kurz inne. Atme einmal tief durch, bevor du automatisch reagierst, und erlaube dir, die Worte wirklich bei dir ankommen zu lassen. Vielleicht antwortest du dann einfach mit einem ehrlichen:
»Danke für dein Kompliment 😊.»

Fazit: Wie bleibe ich dran?

In diesem Beitrag hast du eine reichhaltige Auswahl an Möglichkeiten kennengelernt, wie du dein Selbstbewusstsein stärken kannst. Bitte glaube nicht, dass du all diese Anregungen nun Schritt für Schritt „abarbeiten“ musst. Sie sind vielmehr wie ein liebevoll zusammengestelltes Buffet: Du darfst dir herauspicken, was dich gerade anspricht, und damit in deinem eigenen Tempo experimentieren.

Grosse Veränderungen geschehen (leider!) nicht über Nacht. Die Stärkung des Selbstbewusstseins ist ein Prozess, der Zeit braucht. Gerade deshalb ist es wichtig, dranzubleiben – nicht mit Druck oder Perfektionismus, sondern mit Freundlichkeit dir selbst gegenüber. Kleine, regelmässige Übungseinheiten wirken oft nachhaltiger als seltene grosse Anstrengungen. Wenn du deine kleinen Erfolge bewusst wahrnimmst und feierst, stärkst du nicht nur dein Selbstbewusstsein, sondern auch deine innere Zuversicht.

Wünschst du dir Unterstützung auf deinem Weg zu einem stärkeren Selbstbewusstsein? Dann melde dich gerne für ein kostenloses, telefonisches Erstgespräch bei mir!

FAQ- Häufige Fragen und ihre Antworten

  • Selbstbewusstsein bedeutet, dass wir uns unserer eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse bewusst sind und ihnen einen wichtigen Platz in unserem Leben. Wir getrauen uns, für sie einzustehen.

    Viele Menschen meinen mit Selbstbewusstsein auch Begriffe wie Selbstwert oder Selbstvertrauen und nutzen sie häufig gleichbedeutend. Der Selbstwert zeigt sich darin, dass wir unseren Wert fühlen und respektieren, egal wie viel wir schaffen oder was andere darüber denken. Selbstvertrauen hingegen meint den Glauben an unsere Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern und Schritte nach vorne zu gehen, auch wenn wir uns unsicher fühlen.

    Alle drei Bereiche gehören zusammen: Der Selbstwert gibt uns Halt, das Selbstvertrauen gibt uns Mut – und das Selbstbewusstsein verbindet beides, indem es uns hilft, uns selbst liebevoll und ehrlich wahrzunehmen und uns der Welt zuzumuten.

  • Ein schwaches Selbstbewusstsein entsteht, einfach ausgedrückt, wenn oben Genanntes nicht erfüllt wird: Zum Beispiel, wenn wir in einem Elternhaus aufwachsen, wo wir uns nicht grundlegend (emotional) sicher fühlen. Das kann der Fall sein, wenn unsere Eltern zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. Bespielsweise wenn eine Bindungsperson (chronisch) krank ist (z.B. Depression), wenn zwischen den Elternteilen viel gestritten wird, wenn finanzielle Probleme bestehen oder wenn ein Elternteil eine Suchtproblematik aufweist, u.v.m. Unter solchen Umständen können die Bindungspersonen nicht verlässlich, einfühlsam und adäquat auf die Bedürfnisse ihres Kindes eingehen.

    Die einen Kinder lernen dann früh, ganz feine Antennen zu entwickeln, um zu erahnen, wie sie sich in der jeweiligen Situation verhalten müssen, damit das Gegenüber ihnen wohl gesinnt bleibt. Sie lernen sich anzupassen und ihre Bedürfnisse hintenanzustellen, damit sie in Sicherheit sind. Das ist eine äusserst intelligente Strategie und eine für das Kind überlebenswichtige, denn ein Kind ist voll und ganz von seinen Bindungspersonen abhängig! Leider bleibt dabei sein Streben nach Autonomie, das heisst, die Welt neugierig zu entdecken und dabei Erfolge zu feiern in gewissem Masse auf der Strecke! Und das ist natürlich der Entwicklung für ein gesundes Selbstbewusstsein nicht zuträglich!

    Andere Kinder lernen in einem unsicheren Elternhaus früh, nur auf sich selber zu vertrauen. Sie lernen, dass man sich auf andere Menschen nicht verlassen kann und versuchen deshalb, alles alleine hinzukriegen. Als Erwachsene sind diese Menschen oft hoch funktional, leisten viel und wirken äusserlich erfolgreich. Auf den ersten Blick erscheinen sie selbstbewusst, doch es fällt ihnen schwer – manchmal sogar unmöglich- Unterstützung anzunehmen. Manche dieser erwachsenen Kinder scheinen unglaublich autonom, niemanden zu gebrauchen, sie sind die einsamen Steppenwölfe. Doch unter dem Verhalten des angepassten wie auch des scheinbar autonomen Kindes liegt im Kern dieselbe Wunde: emotionale Verlassenheit, Einsamkeit und ein Mangel an grundlegendem Vertrauen, so sein zu dürfen, wie man ist.

    Zudem hat auch die Vorbildwirkung unserer Bindungspersonen eine prägende Wirkung auf uns. Äussern unsere Eltern ihre Meinung und ziehen sie gesunde Grenzen? Oder halten sie sich damit eher zurück, um Konflikte zu vermeiden? Kinder lernen viel, indem sie beobachten, wie ihre wichtigsten Bezugspersonen mit sich selbst und mit anderen umgehen.

    Auch schwierige Erfahrungen ausserhalb der Familie können unser Selbstbewusstsein beeinträchtigen – zum Beispiel Erlebnisse in der Schule wie Mobbing oder abwertende Lehrpersonen, belastende Situationen im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder im weiteren sozialen Umfeld.

  • Um es gleich vorwegzunehmen, ja wir können unser Selbstbewusstsein stärken, denn Selbstbewusstsein ist nichts Statisches. Natürlich ist es wunderbar, wenn wir von Kind weg mit oben beschriebenen idealen Bedingungen ins Leben starten durften. Realistisch betrachtet, ist das jedoch bei einer Vielzahl der Menschen wohl kaum der Fall. Da Selbstbewusstsein jedoch nicht ausschliesslich angeboren ist und wir die Fähigkeit haben, uns ein Leben lang zu verändern (s. Neuroplastizität), stehen unsere Chancen sehr gut, ein gesundes Selbstbewusstsein nachzuentwickeln.

    Ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Dazu brauchst du idealerweise ausreichend Zeit, einen neugierigen Forschergeist und eine grosszügige, wohlwollende Haltung gegenüber dir selbst. Auch wenn wir uns alle nach den schnellen Lösungen und den einfachen Rezepten sehnen, lohnt es sich sehr, sich Zeit zu nehmen und einen ersten kleinen Schritt zu gehen.

 

Weiter
Weiter

Grenzen setzen- ohne schlechtes Gewissen